| Bogenjagderlebnis im Elsass |
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| Geschrieben von: Francesco Rizzi |
| Dienstag, den 01. November 2011 um 07:16 Uhr |
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Es ist Mitte Oktober, der Wald leuchtet in intensiven Farbtönen und die Hirsche haben erst vor kurzem aufgehört zu Röhren. Langsam sollte wieder Ruhe im Revier einkehren, doch die Brunft hat alle Wildarten auf Trab gehalten und es wird noch etwas dauern, bis sich bei allen der natürliche Ablauf wieder einstellt.
Mein Sohn Lorenzo und ich sind eine Woche im Revier Grendelbruch, in der Nähe von Strassburg und wollen zusammen eine gute Zeit erleben, aber auch versuchen, ein frei gegebenes Stück Wild zu erlegen. Der Jagdpächter ist wegen dringenden Angelegenheiten leider nicht anwesend und so müssen wir improvisieren und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Gleich am Ankunftstag habe ich in der Nähe einer Fütterung mein Blind aufgestellt, damit das Wild genügend Zeit hat, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Nach fünf Ruhetagen versuche ich abends mein Glück. Die letzten Tage hat es stark gewindet und das Jagen war sehr schwierig, wobei der Wind die Wolken weggeblasen hat und uns einige sonnige Herbsttage beschert hat. Lorenzo habe ich auf die Kanzel geschickt, die etwa 50 Meter vom Blind entfernt steht und ihn angewiesen keinen Mucks zu machen, die Fenster geschlossen zu lassen und sich im Hintergrund zu halten.
Ich selber habe meinen Tarnanzug sowie leichte Handschuhe und eine Gesichtsmaske an, um möglichst nicht aufzufallen. Der Blind ist nicht wirklich gross, aber letztes Jahr habe ich im September, beim VSBJ-Event in San Bernardino, einige Schüsse daraus abgegeben und weiss, dass ich diagonal Aufziehen muss, um das Tuch nicht zu berühren. Rasch habe ich mit dem Entfernungsmesser die wichtigsten Bäume und Eckpunkte ausgemessen und mir die Distanzen gemerkt - weiter als 20 Meter will ich nicht schiessen. Ich richte mich im Blind ein und ziehe auch einmal auf, damit ich weiss wie ich mich im Ernstfall zu verhalten habe.
Bewegungslos und nur leicht atmend sitze ich etwa 15 Meter von der Fütterung weg und warte. Langsam kehrt im Wald Ruhe ein, die Vögel zwitschern noch ein letztes Mal und die Schatten werden länger. Nichts regt sich - ich warte. In Gedanken gehe ich nochmals meinen Bewegungsablauf durch, atme langsam durch den Bauch und halte auch mal die Luft an, um meinen Körper darauf einzustellen, dass ich beim Zielen, wegen der Spannung, weniger regelmässig atmen werde. Das Licht schwindet langsam und eigentlich wäre es Zeit, dass die ersten Rehe auf der Bildfläche erscheinen sollten.
Plötzlich bemerke ich eine Bewegung, es ist nicht das erhoffte „Grosswild“ sondern ein Hase, der sich über den ausgestreuten Mais hermacht. Er ist nur etwa 12 Meter von mir entfernt, hat sich jedoch so hinter einer Wurzel platziert, dass nur die obere Hälfte seines Rückens frei ist, d.h. ich müsste ein Ziel von etwa 20 x 5 cm treffen und das am Rücken, wo sich die zarten Filets befinden. Wenn ich jetzt schiesse riskiere ich den Hasen derart zu verunstalten, dass er nicht mehr verwertet werden kann und bloss um zu töten gehe ich nicht auf die Jagd. Somit lasse ich ihn ruhig weiter äsen, beobachte ihn mit dem Feldstecher und studiere seine Anatomie.
Als er sich entfernt ist es bereits dunkle Nacht, ich trete aus dem Blind und winke Lorenzo herbei. Nach einigen Minuten ist er bei mir und wir machen uns auf den Heimweg, zwar ohne Beute jedoch mit schönen Eindrücken aus dieser wunderschönen Gegend. |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 24. November 2011 um 15:18 Uhr |