Hüttenleben Part 1 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Michael Zehnder   
Freitag, den 09. September 2011 um 13:18 Uhr

 

Es ist ein ganz gewöhnlicher Freitagmorgen Ende August. Alles könnte so schön sein. Wenn da nicht die Arbeiter im oberen Stockwerk hämmern würden, aus der Uraniawache nicht schon das zweite Mal die Polizei mit Sirene zum Einsatz ausgerückt wäre oder bis vor kurzen die Müllabfuhr direkt unter meinem Bürofenster die Container geleert hätte. Zu allem Übel klingelt ständig das Telefon und das nächste Meeting im Outlookkalender mahnend blinkt.

 

Man hat nur noch einen Wunsch – raus hier. Aber halt, heute ist es ja endlich wieder soweit, zwei Jagdfreunde und ich fahren in ein verlängertes Jagdwochenende. Seit Tagen habe ich die Ausrüstung zusammengesucht, zurechtgelegt, bzw. das ganze Equipment auf Vordermann gebracht. Allein diese Tätigkeit lässt eine grosse Vorfreude aufkommen, die einem vieles vergessen lässt.

 

Endlich ist es Mittag, ab nach Hause und die restlichen Gegenstände nebst Lebensmittel ins Auto packen. Schnell werden nochmals die wichtigsten Sachen überprüft. Habe ich die grosse Gasflasche für die Lampe bereitgestellt, ist die komplette Bogenjagdausrüstung schon verstaut?

 

Tage zuvor überprüfte ich den Stand der Gasflasche, ergänzte die Koch Box mit neuen Streichhölzern, Kerzen und Kienspan welche nun zum Einladen bereit steht. Die frischen Lebensmittel wie Brot, Butter, Salami und Konfitüre kommen in die Kühlbox. Jetzt fehlen noch die Schlafsäcke, Jagdkleider (separat in einem wasser- und luftdichten Kompressionssack verpackt), Ersatzwäsche und das Necessaire. Am Ende haben im Auto gerade noch der Fahrer und zwei Passagiere Platz. Es geht los, das Abenteuer kann beginnen.

 

Ein Wochenende nur mit kaltem Wasser aus dem Brunnen oder Kanister, ohne Strom in einer einfachen Hütte die mitten in der Wildnis liegt ist herrlich. Strom aus der Steckdose, jederzeit warmes Wasser und Licht – diese Grundlagen unseres heutigen Lebens sind für uns selbstverständlich. In einer Jagdhütte, in der es möglicherweise weder das eine, noch das andere gibt würde manch einer noch auf Welt kommen. Aber zum Glück sind die Geschmäcker verschieden, ansonsten wären die Wälder wohl übervölkert mit genauso Leuten wie wir. Und wo bliebe da die Ruhe und die Zeit zur Muse? Und natürlich freuen wir uns auch auf die kommenden Jagdstunden.

 

Nach einer längeren Autofahrt wird das letzte Stück über den wenig befahrenen Wald- und Zufahrtsweg bereits genutzt um nach Wild zu spähen. Noch einmal links abbiegen, und vor uns baut sich das grosse Zufahrtstor mit dem Vorhängeschloss auf. Nach dem passieren desselbigen, bzw. wieder verschliessen tut sich nach kurzer Zeit die Lichtung mit der Hütte auf. Rechter Hand ist eine grosse Feuerstelle angelegt. Geradeaus ist die Hütte, dahinter ein kleiner Holzschuppen und rechts das einfache, aber saubere Plumpsklo. Eine kleine, überdachte Veranda mit Tisch und Stühlen auf der Südseite der Hütte rundet das Ganze ab.

 

Als erstes wird das Auto ausgeladen und die Hütte eingerichtet. Sofort wird ein grosses Feuer am offenen Kamin entfacht – eigentlich egal in welcher Jahreszeit. Wenn es nicht der Wärmezufuhr dient, dann auf jeden Fall der Gemütlichkeit. Direkt neben dem Kamin liegt genug trockenes Holz für ein rasches Feuer, Nachschub für den Aufenthalt gibt es dann hinter der Hütte.

 

Im Winter dauert es einige Stunden, bis die Hütte auf Temperatur kommt. Diese Zeit muss dann mit heissen Kaffee oder Tee und der richtigen Bekleidung überbrückt werden. Obwohl es jetzt im Spätsommer von der Temperatur recht angenehm warm ist, ist die Luft drinnen kühl und schal, also Fenster öffnen und lüften, damit es in der Hütte nicht klamm wird und modrig riecht.

 

Während die Flammen langsam durch die trockenen Scheite im Kamin züngeln, räumen wir die Hütte ein. Sämtliche Lebensmittel kommen in den abschliessbaren, hochgestellten Schrank. Sogar die Kühlbox kommt dort hinein. Die Nahrung muss vor Mäusen und Siebenschläfer geschützt werden. Kurze Zeit später sitzen wir mit einer Büchse Bier auf der Bank vor der Hütte und geniessen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

 

Teil 2

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 10. Februar 2012 um 21:49 Uhr
 
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